Selfpublishing im Selbstversuch…

Seit ca. einem Jahr bin ich Mitglied der Schreibgruppe „Schreibkraut“. Einmal im Monat treffen wir uns, um gemeinsam zu schreiben.

Nachdem die Gruppe schon lange Lesungen macht und gerade auch eine CD mit Texten eingelesen hat, stand dieses Jahr unser Buchprojekt auf dem Programm. Für mich als Gruppenneue und ehemalige Buchhändlerin eine besondere Freude…

Pünktlich zu Weihnachten sind nun einige unserer Texte als Buch erschienen. Und da es vor allem für uns selbst, Freunde und Bekannte sein sollte, entschieden wir uns dafür, es als Selfpublishing-Projekt zu veröffentlichen.

Das Vorgehen ist denkbar einfach. Nach der Anmeldung auf einem der Selfpublishing-Portale können die Dateien für den Buchtext und das Cover hochgeladen werden. Das Manuskript erstellt man ganz normal in einem Textbearbeitungsprogramm. Das Cover lässt sich auch direkt auf der Seite anhand von Vorlagen gestalten.

Bei einigen Anbietern ist die Veröffentlichung als E-Book mit eingeschlossen. Und dann ist es auch schon so weit. Der Titel erhält eine ISBN und erscheint bei den gängigen Anbietern als Book on Demand.

In unserem Fall sieht das so aus:

Es macht wirklich Spaß, den eigenen Texten die entsprechende Form zu geben, aber auch viel Arbeit – die sich lohnt, wenn man das Ergebnis ansieht 🙂

Und hier ist es erhältlich:

Die Ordnung hat Urlaub

Und worum geht’s nun eigentlich?

Oft, wenn ich mir Arbeiten von Studierenden ansehe, frage ich mich, ob sie ihr Thema wohl jemals mit jemandem diskutiert haben. Könnten sie es in wenigen Sätzen einer fachfremden Person erklären?

Wie schnell entwickelt man im eigenen Studiengebiet seine Fachidiotie. Abkürzungen, deren Bedeutung man sich vor wenigen Wochen noch selbst erarbeiten musste, sind inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden und schleichen sich in die eigenen Texte. „Mein Prüfer weiß doch, was damit gemeint ist“, höre ich oft. Oder: „Das ist bei uns so üblich“.

Das mag sein. Trotzdem ist es von unschätzbarem Wert, einer fachfremden Person in kurzen, einfachen Sätzen die Grundidee der eigenen Arbeit erklären zu können. Warum? Weil es auch in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht um das Abspulen von Wissen allein geht, nach dem Motto: „guckt mal, was ich alles kann und gelernt habe“, sondern darum, etwas zu erforschen, zu entdecken und immer wieder zu fragen, neugierig zu sein, wissen zu wollen.

Für das Wie sind Fachwörter und Fachwissen wichtig, nicht aber, um das eigentliche Thema, die Fragestellung, das Erkenntnisinteresse Menschen zu erklären, die dieser Fachsprache nicht mächtig sind. Und aus dieser Arbeit, diesem Erklären in eigenen, einfachen Worten, aus den Nachfragen der Zuhörenden, lässt sich ein Weg ableiten, auf dem man sich der Beantwortung der eigenen Fragestellung annähern kann.

Plötzlich und im Gespräch wird deutlich, welche Begriffe erklärt und definiert werden sollten, weil sie eventuell missverständlich sind oder in verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet werden. Auch die Zwischenschritte treten deutlicher zutage – was muss ich zuerst erklären, fragen, erforschen? Worauf will ich mich später noch beziehen? Wo finde ich Antworten auf Zwischenfragen? Wo muss ich danach suchen?

An dieser klar ausformulierten Fragestellung hängt der gesamte Verlauf der schriftlichen Arbeit – die Gliederung, d.h. der Aufbau des Textes, die Recherche – finde ich in dem, was ich lese, tatsächlich Antworten auf meine Fragen, die Auswahl der Literatur, die Anzahl der Quellen, die ich verwende, der „rote Faden“ insgesamt. Mit einer klaren Fragestellung kann ich eine „runde“ Arbeit schreiben, in der sich Einleitung und Schluss aufeinander beziehen.

Manchmal sehe ich an der Gliederung, die mir vorgelegt wird, dass eine Fragestellung fehlt. Dann empfehle ich gern als Übung den > Dreischritt. Und meistens finden die Themen dann auch nach und nach ihren Platz.