Und worum geht’s nun eigentlich?

Oft, wenn ich mir Arbeiten von Studierenden ansehe, frage ich mich, ob sie ihr Thema wohl jemals mit jemandem diskutiert haben. Könnten sie es in wenigen Sätzen einer fachfremden Person erklären?

Wie schnell entwickelt man im eigenen Studiengebiet seine Fachidiotie. Abkürzungen, deren Bedeutung man sich vor wenigen Wochen noch selbst erarbeiten musste, sind inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden und schleichen sich in die eigenen Texte. „Mein Prüfer weiß doch, was damit gemeint ist“, höre ich oft. Oder: „Das ist bei uns so üblich“.

Das mag sein. Trotzdem ist es von unschätzbarem Wert, einer fachfremden Person in kurzen, einfachen Sätzen die Grundidee der eigenen Arbeit erklären zu können. Warum? Weil es auch in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht um das Abspulen von Wissen allein geht, nach dem Motto: „guckt mal, was ich alles kann und gelernt habe“, sondern darum, etwas zu erforschen, zu entdecken und immer wieder zu fragen, neugierig zu sein, wissen zu wollen.

Für das Wie sind Fachwörter und Fachwissen wichtig, nicht aber, um das eigentliche Thema, die Fragestellung, das Erkenntnisinteresse Menschen zu erklären, die dieser Fachsprache nicht mächtig sind. Und aus dieser Arbeit, diesem Erklären in eigenen, einfachen Worten, aus den Nachfragen der Zuhörenden, lässt sich ein Weg ableiten, auf dem man sich der Beantwortung der eigenen Fragestellung annähern kann.

Plötzlich und im Gespräch wird deutlich, welche Begriffe erklärt und definiert werden sollten, weil sie eventuell missverständlich sind oder in verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet werden. Auch die Zwischenschritte treten deutlicher zutage – was muss ich zuerst erklären, fragen, erforschen? Worauf will ich mich später noch beziehen? Wo finde ich Antworten auf Zwischenfragen? Wo muss ich danach suchen?

An dieser klar ausformulierten Fragestellung hängt der gesamte Verlauf der schriftlichen Arbeit – die Gliederung, d.h. der Aufbau des Textes, die Recherche – finde ich in dem, was ich lese, tatsächlich Antworten auf meine Fragen, die Auswahl der Literatur, die Anzahl der Quellen, die ich verwende, der „rote Faden“ insgesamt. Mit einer klaren Fragestellung kann ich eine „runde“ Arbeit schreiben, in der sich Einleitung und Schluss aufeinander beziehen.

Manchmal sehe ich an der Gliederung, die mir vorgelegt wird, dass eine Fragestellung fehlt. Dann empfehle ich gern als Übung den > Dreischritt. Und meistens finden die Themen dann auch nach und nach ihren Platz.