Türkeireise
Das Lesen und das Schreiben – meine Erinnerungen
Zusammen schreiben
Schreiben und Lesen lernen
Auswanderermuseum
Paula
Museumsbesuch in Frankfurt am Main
Gedicht (2.04.)

__
Türkeireise

Es liegt ca. 20 Jahre zurück und noch immer sprechen mich meine Sinne an, wenn ich an die Reise
in die Türkei denke.
Ein guter Freund, geboren und aufgewachsen in der Türkei, begleitet uns als Familie und zeigt
uns sein Land. Er tut es mit Stolz und verbindet gleichzeitig seine eigenen Erinnerungen damit.

Wir fahren zunächst mit dem Auto viele viele Kilometer und dann sind wir in der puren Natur, weit
weg vom Tourismus, von Hotels mit vielen Stockwerken, von überfüllten Stränden, von Märkten und
den Marktschreiern.

Ruhe und Natur – und wir – sonst nichts weiter.
Es begegnen uns kaum Menschen.
Wir kommen an einen Wasserfall – so groß, so mächtig – was die Natur selbst erschaffen hat.
Sind wir mutig gewesen, als wir in das Wasser wateten…es musste sein, unbedingt.
Dann unter dem Wasserfall stehend, das war ein berauschendes Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes.
Dieses klare kühle Etwas war genau das Richtige an diesem Tag, in diesem Moment.
Gern wäre ich ewig dort geblieben.
Ich fühlte mich so erfrischt, so gereinigt – wie neu geboren.

So schön wie es war, wir wollten weiter….
Ich erinnere mich, wir kamen an einen Fluss – so klar, so schlängelt durch die Landschaft.
Wir tranken davon und es schmeckte wie ein Heilwasser und vielleicht war es auch Heilwasser,
nur die Menschen wussten es noch nicht.
Die Wipfel der großen Bäume beugten sich über den Fluss und verschmolzen mit ihm.
Und was so außergewöhnlich aussah, war ein Baumhaus – aber ohne Dach.
Es war für uns reserviert…
Eilend die Treppe hoch, da war ein lauschiger Platz, schöner als Wohnzimmer zu Hause.
Gemütlich, denn die Fläche war ausgekleidet mit dicken kuschligen Kissen.
Pause, auf den schönsten Platz weit und breit.
Nun liegend, blinzelte die Sonne uns an. Der Fluss kühlte die heiße Mittagsluft etwas ab.
Und dann wurde ein süßlicher Duft versprüht.
So, als ob jemand mit einer Sprühflasche einen besonderen Perfümduft verbreitet.

Und kleine weiße Blüten bildeten einen weißen Teppich auf der Wiese und auf dem Boden des
Baumhauses – jetzt war es klar – in der Nähe muss es Zitronenbäume geben.

Berauscht von dem orientalischen Erlebnis versank ich einen kurzen Schlaf, ich träumte von dem
Gärtner eines Zitronenparadieses.

Man ließ mich nicht lange träumen.
Ein neuer aromatischer Duft kam um die Ecke – ein Duft von einem Grill – vom frisch gebratenen
Fisch, Fleisch und Gemüse… hm, ich konnte nicht wiederstehen.

Wir aßen, wir tranken Uso und lachten und sangen.
Unbeschreiblich war dieses kleine Paradies auf Erden.

__
Das Lesen und das Schreiben – meine Erinnerungen
Erweiterung vom 16.12.2020

Woran ich mich erinnere, weiter...

es war vor 56 Jahren. Ich habe das Gefühl, es war gestern.

Wir sitzen gemeinsam am Esstisch in der riesigen Wohnküche.
Meine drei Brüder und ich. Meine Brüder müssen ihre Hausaufgaben machen; sie sind ein ganzes Stück älter – bereits in der der 6./7. und 9. Klasse – ich hingegen noch im Kindergartenalter und bis ich die Schule besuchen kann, das kann dauern, viel zu lange dachte ich mir.

Ich will dazu gehören. Nehme mir ein Heft und einen Bleistift und tu so, als ob ich mich auch für die Schule vorbereiten oder als ob ich im Büro sitze und viel erledigen muss.

Zwischendurch „klingt ständig“ mein mint farbiges Plastiktelefon / tatsächlich mit Klingel sobald ich es anstoße/ und ich muss mir viele Notizen machen, um diese an meine Mutter auch weiter zu geben zu können.

Ich muss leise sprechen beim Telefonieren, um meine Brüder nicht zu stören.
Ihr Blick geht in die Bücher – u.a. in das Periodensystem der Elemente, so hieß diese Übersicht und ich denke, wie interessant diese Anordnung…würde ich auch gern verstehen und da liegt ein Rechenstab. Man erklärte mir, man kann damit schwierige Rechenaufgaben lösen. Ob ich das auch irgendwann kann?

Jetzt muss ich unbedingt aufschreiben, was mir meine Tante Emma am Telefon gesagt hat.
Ich fange an meine eigenen Zeichen zu kreieren, es sind Bilder, eine Kette von Bildern, schön in einer Zeile aufgereiht und dazwischen verbindende Striche – nur so kann ich mir merken, um was es ging.
Was aussieht wie ein Spiel, wie eine Phantasiereise ist mehr… es ist der Anfang vom Anfang, vom Schreiben und Lesen.

Mit 5 Jahren kann ich natürlich noch nicht schreiben, die Buchstaben sind für mich nur fremde Zeichen. Ich tauche in meine eigene Welt ein.
Ich erschaffe etwas, was die Menschen vor tausenden von Jahren vor Christus erstmals in Lehm und Stein geprägt haben – zumindest so ähnlich.
Das wusste ich natürlich erst viel später, als ich von den Ägyptern das erste Mal hörte, welchen Prozess ich damals durchlebte.
Auch in dieser Zeit bastelte ich an einer Schreibfeder. Die Idee kam mir, als ich in der Natur eine Feder fand – und ich dachte mir sofort, diese für das Schreiben zu nutzen.

Ich spitzte diese Feder unten an dem Rohr an und tauchte sie in ein Tintenfass und die Zeichen und Bilder sahen so lebendig aus. Später steckte ich eine Miene in das Rohr der Feder und ich hatte einen neuen Stift.

Wie edel sich das anfühlte.

Auch die Ägypter haben diese Idee für sich entdeckt.
Und es wiederholt sich etwas, was vor vielen tausend Jahren
schon zur Anwendung kam.
Ich bin davon immer wieder fasziniert.

Seit dieser Zeit habe ich eine Vorliebe für schönes Papier und schöne Stifte. Jede Handschrift ist so individuell und drückt so viel aus – auch Stimmungen, Hektik, Unsicherheit, Zufriedenheit – so ist das bei mir noch heute. Meine Handschrift hat viele Gesichter, so wie die Tage im Jahr.

Meine Freudinnen sagten mir immer nach, ich könne toll schreiben, aber man kann es nicht lesen, was ich nie verstand.
Was ich dachte, schrieb ich auf, was ich fühlte, schrieb ich auf und das fühlte sich gut an. Ich hatte die Möglichkeit etwas abzulegen, fest zu halten und letztendlich auch im Kopf zu ordnen. Das ist heute so und das war vor 56 Jahren ein
unbewusstes Handeln.

Sicherlich war das von mir „geschriebene“ Wort im Alter von
5 Jahren eher eine Geheimsprache und nicht immer wusste ich im Nachgang, was ich ausdrückte wollte – das passiert. Konnte ich nicht alles wiedergeben, dann füllte ich die Sätze und setzte meine Fantasie ein.

Meine Bilder, statt dem geschrieben Wort, hatten so ein eigenes Leben, diese Hieroglyphen sahen auch immer anders aus, keine Systematik – soweit war ich als KITA Kind noch nicht.
Immer wieder, wenn mein Vater seine Zeitung las, habe ich
hinterfragt, wie er schafft, die ganze Zeitung zu lesen, die
ellenlangen Texte…

Zeitsprung vom fünfjährigen Kind zur Studentin.

Als ich mit 20 Jahren im Hörsaal der Hochschule saß, musste ich viel hören, aufnehmen, verstehen und gleichzeitig mitschreiben; natürlich neues unbekanntes Wissen und gleichzeitig noch meine eigenen Fragen einbauen und Wichtiges vom Unwichtigen trennen und zusätzlich Quellen
vermerken und sich auch noch mit dem Nachbarn unterhalten, darüber, wann und wo die neueste Diskothek
öffnet.
Anstelle von Wörtern entwickelte ich neue Zeichen, eigene Zeichen und jetzt war ich soweit, Standards zu schaffen, z. B. für die Wörter: kausaler Zusammenhang, in Folge dessen, Widersprüchliches, ein Wort oder Inhalt negieren, stark steigend, progressive oder fallende Entwicklung.

Noch heute sagt man mir nach, ich hätte ein fotographisches Gedächtnis und das stimmt. Bilder und Gedanken vereinen sich und dahinter verstecken sich kleine Geschichten.
Auch Zahlen verbinde ich mit Geschichten, das erhöht die
Merkfähigkeit, so ist das noch heute.
Was ich einmal aufgeschrieben habe, merke ich mir ohne noch einmal auf das Papier zu schauen. Vielleicht auch nicht immer.
Ich merke mir auch Fakten oft in Bildern, sehe sofort Querverbindungen zu Ereignissen.
Ich sehe heute den Zusammenhang zu meinen Leben als fünfjähriges Kind, als alles anfing.

Noch heute liebe ich es, Briefe per Hand zu schreiben, was eigentlich in diesem medialen Zeitalter keine Bedeutung mehr hat – welch ein herber Verlust.

„Schreiben ist – mit Worten, Bilder und Gefühle formen“
(Dieser Satz könnte tatsächlich von mir sein)

__

Zusammen schreiben – das soll jetzt meine Überschrift werden

Ich habe mich schwer getan, weiter...

was sonst nicht der Fall. Meistens sprießen sofort Gedanken, heute ist das nicht so.
Nun, ich lege mal los. Es ist nicht mehr viel Zeit.
Ich kann einen Text zusammen schreiben, also sprichwörtlich hinter einander weg, ohne Pause, aber mit Punkt und Komma. Das setzt natürlich voraus, dass alle Gedanken schon
sortiert sind und das Thema brennt förmlich unter den
Nägeln.
Und die Motivation muss auch da sein. Nicht jeder Tag ist gleich.
Ich wünschte mir, ich könnte mir von Bertold Brecht was
abschauen. Er war in der Lage, sich korrekt und ohne
Ausnahme täglich Zeit zum Schreiben zu nehmen. Gleich in
der Früh, kurz nach dem Aufstehen.
Für mich unmöglich. Ich bin eher die Nachteule.
Würde am liebsten gar nicht zu Bett gehen, ich kann sowieso
schlecht schlafen.

Und nun die andere Seite vom Zusammenschreiben.
Man kann auch in Kooperation zusammen kreativ werden.
Setzt jedoch wiederum voraus, dass sich zwei oder mehrere
Schreiber ergänzen und sich gegenseitig respektieren.
Ich glaube, dass „Seelenverwandte“ gut miteinander harmonisieren.
Gefühlstechnisch Gleichgesinnte und die vom Intellekt
ähnlich ticken, dann kann daraus eine Symbiose werden.
Ein gemeinsames „Werk“ zu erschaffen, das ist schon eine
Leistung.
Die Lorbeeren zusammen ernten und sich daran erfreuen,
was gelungen ist, ist ein schöner Gedanke.

__

Das Lesen und das Schreiben lernen – meine Erinnerung

Woran ich mich erinnere, es war vor 56 Jahren weiter...

. Ich habe das Gefühl, es war gestern.
Wir sitzen gemeinsam am Esstisch in der riesigen Wohnküche. Meine drei Brüder und ich. Meine Brüder müssen ihre Hausaufgaben machen; sie sind ein ganzes Stück älter – bereits in der der 6./7. und 9. Klasse – ich hingegen noch im Kindergarten und bis ich die Schule besuchen kann, das kann dauern, viel zu lange dachte ich mir.

Ich will dazu gehören. Nehme mir ein Heft und einen Stift und tu so, als ob mich auch für die Schule vorbereiten muss oder als ob ich im Büro sitze und viel erledigen muss. Zwischendurch klingt ständig mein mint farbiges Plastiktelefon / tatsächlich mit Klingel/ und ich muss mir viele Notizen machen, um diese an Mutter weiter zu geben.

Ich muss leise sprechen beim Telefonieren, um meine Brüder nicht zu stören. Ihr Blick geht in die Bücher – ich das Periodensystem der Elemente, so hieß es und ich denke, wie interessant diese Anordnung…würde ich auch gern verstehen und da liegt eine Schiebelehre, das erklärte man mir, womit man komplizierte Rechenaufgaben lösen kann.

Jetzt muss ich unbedingt aufschreiben, was mir meine Tante am Telefon gesagt hat. Ich fange an meine eigenen Zeichen zu kreieren, es sind Bilder, eine Kette von Bildern und dazwischen verbindende Striche – nur so kann ich mir merken, um was es ging.

Was aussieht wie ein Spiel, wie eine Phantasiereise ist mehr… es ist der Anfang vom Anfang.

Mit 5 Jahren kann ich natürlich noch nicht schreiben, die Buchstaben sind für mich nur fremde Zeichen. Ich tauche in meine eigene Welt ein.

Ich erschaffe etwas, was die Menschen vor tausenden von Jahren vor Christus erstmals in Lehm und Stein geprägt haben – zumindest so ähnlich. Das wusste ich natürlich erst viel später, als ich von den Ägyptern das erste Mal hörte, welchen Prozess ich damals durchlebte. Und als ich die Dokumentation „Saga der Schrift“ ansah, kamen diese ganzen Erinnerungen. Auch die Erinnerung daran, dass ich mir selbst einen Tintenstift bastelte.

Ich fand eine Feder draußen beim Spielen – von einer Gans oder einer Pute? – ich probierte es aus. Auch ich spitzte diese Feder unten an dem Rohr an und tauchte sie in ein Tintenfass und die Zeichen und Bilder sahen so lebendig aus. Seit dieser Zeit habe ich eine Vorliebe für schönes Papier und schöne Stifte. Jede Handschrift ist so individuell und drückt so viel aus – auch Stimmungen, Hektik, Unsicherheit, Zufriedenheit – so ist das bei mir, noch heute. Meine Handschrift hat viele Gesichter, so wie die Tage.

Was ich dachte, schrieb ich auf, was ich fühlte, schrieb ich auf und das fühlte sich gut an. Ich hatte die Möglichkeit etwas abzulegen, fest zu halten. Sicherlich war das von mir „geschriebene“ Wort eher eine Geheimsprache und nicht immer wusste ich im Nachgang, was ich ausdrückte wollte – das passiert.

Meine Bilder, statt dem geschrieben Wort, hatten so ein eigenes Leben, diese Hieroglyphen sahen auch immer anders aus, keine Systematik – soweit war ich noch nicht.

Noch heute sagt man mir nach, ich hätte ein fotographisches Gedächtnis und das stimmt. Ich merke mir Fakten/Gedanken oft in Bildern, in Geschichten. Ich sehe da den Zusammenhang zu meinen Leben als fünfjähriges Kind, als alles anfing.

Noch heute liebe ich es, Briefe per Hand zu schreiben, was eigentlich in diesem medialen Zeitalter keine Bedeutung mehr hat – welch ein herber Verlust.

„Schreiben ist – mit Worten Bilder und Gefühle formen“

___
Auswanderermuseum

Ich bin Pia. weiter...

Und ich habe den Film /Untergang der Titanic/ viele Male gesehen.
Das Schiff kollidierte mit einem Eisberg im Nordatlantik, das war 1912.
Es starben 1.500 Menschen, auf dem Weg nach New York.
Was wäre gewesen, wenn ich das miterlebt hätte, einer von 712 Menschen.

Ich wollte es wissen und fuhr deshalb nach Bremerhaven.
Ich stehe vor einem riesigen, mächtigen Schiff am Hafen, aber es ist kein Schiff,
es ist das Auswandererhaus.
Ich will den Geist der Reise des Schiffes „Columbus“ spüren, deshalb bin ich hier.
Das Auswandererhaus verkörpert das Schiff von damals.

Das Schiff legt ab am 05.11.1923 – 20 Jahre später nach dem Untergang der Titanic.
Zunächst muss ich warten.
Erhalte dann den Bordingpass von Martha und darf in die Kleidung, die man damals trug,
schlüpfen.
Was treibt mich eigentlich an, nach Amerika zu reisen? – denkt Martha.
Ist das die richtige Entscheidung für mich? – weg von der Familie, weg von meinem Zuhause,
rein in eine Ungewissheit und ohne die Sprache zu können.

Und jetzt so kurz vor der Abreise kommen diese Zweifel auf.
Ich soll als Kindermädchen in New York arbeiten. Das trau ich mir eigentlich zu.
Wie werde ich aber dort leben können?
Finde ich vielleicht einen Mann zum Heiraten?
Bleibt alles nur ein Traum? Werde ich überhaupt dort ankommen oder geht die Columbus
unter?

Ich habe alles dabei, den Pass, die Fahrkarte und ein Visum. Auch mein Onkel hat eine
Bürgschaft übernommen. Die Fahrkarte ist für die Passagiere der dritten Klasse.
Was erwartet mich dort? Die Enge, ein Geruch, der mehr als schrecklich ist.
Die Reise soll 14 TAGE dauern. Reichen die Lebensmittel, um alle zu versorgen?

Man sagt, es soll nur 2 Toiletten geben für 100 Passagiere.
Und mit der Hygiene? – das muss auch mal spartanisch gehen.

Alle Menschen um mich herum sind verunsichert und trotz dieser Verunsicherung
funkeln zugleich ihre Augen.
Ich muss jetzt eine Entscheidung treffen, gehe ich zurück oder lass ich mich ein
auf diese Reise in eine neue Welt.
Die Phantasien sind stärker als irgendeine Vernunftsentscheidung.

Ich entscheide mich für Amerika und jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Ich rieche das Meer, ich spüre das Land der ungeahnten Möglichkeiten….


Paula

Ich bin eine Malerin und heiße Paula Modersohn-Becker.weiter...

Ich sah mich nie als eine besondere Malerin und übrigen, viele andere Kunstschöpfer meiner Zeit auch nicht, ich war eben anders als die anderen, ich wollte malen und alles was ich im realen Leben sah und fühlte.

Ich hatte einen einzigartigen, vielleicht auch komischen Stil – ich musste eigentlich keine Kunstschule besuchen, ich tat dennoch…

Mein Mann verstand mich auch nicht, ich blieb hartnäckig am Malen dran und ging nach Paris…

und da fängt meine Lebensgeschichte erst an…

 

….heute bin ich „zurückgekehrt in die Zukunft“. Die Zukunft heißt „Im Mai 2020“.

Ich habe mir ein Ticket für die Ausstellung in Frankfurt geholt und wandere mit meinem Geist durch die langen großen Säle des Prachtbaus.

Es ist wie eine Zeitreise, ich wollte in Erfahrung bringen, ob meine Bilder in der Zukunft

einen Platz bekommen haben?….

Kritiker behaupten ja, meine Bilder sind eckig, hässlich, hölzern… so bin nun mal, eben

nicht conventionell – eben anders, das war mir immer wichtig.

Für die Besucher lebe ich nicht mehr…aber meine Seele mit meiner Schöpferkraft soll

weiter leben.

Ich stehe jetzt in dem Moment vor meinem eigenen Bild. Titel: Liegender Mann

unter blühendem Baum, von 1903. Mir bleibt der Atem stehen, ich bin berührt und fasziniert.

Ich würde heute wieder so malen, ich bin ich…auch wenn ich in 2020 gelebt hätte…

__

Museumsbesuch in Frankfurt am Main

Fritz von Uhde, Am Fenster

Ich sehe ein Gemälde aus einer Zeit weiter...

, die nicht einmal in meiner oder in eurer Erinnerung
abgelegt ist,
entstanden im 19. Jahrhundert, vollendet 1891 von Fritz von Uhde
und ich kann erzählen,
dass ich als Kind jemanden kannte, der in diesem Zeitfenster geboren wurde,
dieser Mann wurde im Jahr 1897 geboren.
Sich in eine Zeit reinversetzen, die weit weg von unserer heutigen Realität ist –
darum geht es.
Und Frauen haben damals eine ganz andere Rolle eingenommen.

Ich mache jetzt eine Zeitreise und nehme ich euch mit.
Ich versetze mich heute in die Rolle einer Näherin, das ganze spielt im 19. Jahrhundert.
Ich bin bescheiden, einfach gekleidet, viele Röcke übereinander und eine Arbeitsschürze gehört
immer dazu. Einfach, aber sauber muss alles sein.
Meine Schuhe sind schon viele Schritte, viele Jahre gelaufen und tragen mich, wohin ich gehe.
Meine Röcke bedecken die Schuhe, ein Glück, dann sieht man nicht, wie alt und verschlissen sie schon sind.

Die Farben meiner Kleiderröcke sind bedeckt, ich muss immer unauffällig sein…durch meine
Haltung und meine Kleider.
Blau, grau wenig weiß…keine leuchtenden Farben…immer schon hochgeschlossen, nie mit größerem Ausschnitt. Auch mein Haar ist gebunden zu einem Knoten.
Als Näherin habe ich Zugang zu schönen edlen Stoffen meiner Herrin. Ich darf die Stoffe berühren, fühlen und in zauberhafte Roben wandeln.
Meine Herrin ist eine Adlige, hat viele Verpflichtungen in der Gesellschaft…

Ich bin froh, dass ich die Anstellung habe, verdiene nicht viel, es reicht nur für wenig.
Ich darf auch im Haus der Herrin ein Zimmer beziehen, im Keller, recht dunkel.

In meinem Nähzimmer kann ich auch die Sonne sehen,
ich liebe es, durchs Fenster nach draußen zu schauen.
Da sehe ich die Hoffnung, die Hoffnung, einem Mann zu begegnen, der mich heiratet …
der mit mir durch die Gassen der Stadt geht, die Sonne einfängt…

Ich verspüre eine Sehnsucht, auszubrechen, aber meine Arbeitsutensilien halten mich
im Inneren zurück. Ich fühle mich gefangen in meiner Rolle und dadurch gehemmt.
Zum einem habe ich eine Zuversicht, nicht nur durch dieses Fenster zu schauen, irgendwann
geh ich nach draußen und nichts hält mich mehr fest.

Dieses Fenster ist die Brücke in eine neue andere Welt.

Das Schauen, das Betrachten durch dieses Fenster macht emotional, sogar melancholisch, wenn nur
nicht die Zwänge wären.
Mein Blick erfüllt mich aber auch im Glauben, diese Raumgrenze irgendwann zu überschreiten.

Jetzt genug der Romantik, meine Herrin ruft nach mir…meine Pflichten holen mich zurück…
und ich muss wieder meine Zwänge annehmen… ich habe keine andere Chance.

Ich schließe das Fenster bin wieder in meiner Welt zurück.

__

 

Gedicht

Sein Blick versprach mir, weiter...

es lohnt sich, es gibt immer wieder einen Anfang
so langsam schleicht sich die Hoffnung ein, ein Gefühl von Erwartung, Träume entfalten sich, entpuppen sich als Weggefährten, nicht kann uns aufhalten.
Ihm ist genau wie mir, mal stark und mal schwach, mal hungrig nach Erfüllung, mal zweifelnd in Gedanken versunken.
und und wir haben es in der Hand, das Zepter unserer Entscheidungen und wir können unsere Gedanken steuern – hin zum Guten oder die negativen Gedanken ziehen lassen, wie die Wolken ziehen.

Der Gedanke beeinflusst unser Handeln, Die Worte können verzaubern – tust du es, dann kommt der Zauber auch zu dir.
Der Gedanke macht sich breit und lässt dich nicht los, wenn du es nicht willst oder zulässt.
Der Gedanke ist wie eine Wolke, wie Watte, ist sinnlich – manchmal klar, manchmal ein Wirrwarr.
In Gedanken versunken, können wir das Außen schnell mal vergessen.

sich wohlfühlen kann man sich am besten, in Raum der Familie, der Freunde und gegenseitige Verstehen
geht durch den Kopf und durch das Herz
und hört nie auf…

27 Gedanken zu “Schreibwerkstatt_Anette”

  • Liebe Annette, deine Erzählung gefällt mir sehr. Ein wunderbare Idee, sich in diese Frau hineinzuversetzen. Ich muss auch schmunzeln. Meine Oma ist 1884 geboren worden. Als sie mit 88 starb, war ich schon 22 Jahre. ich habe lange Zeit mit ihr leben dürfen. Das mit den Röcken und Schürzen hast du sehr treffend beschrieben. Unterhosen, die nur aus zwei Hosenbeinen bestanden, hatte sie auch an – Schlitzhosen hat sie sie genannt. Auf der Leine sahen sie trollig aus. Damals hatten die Frauen noch ganz andere Träume, bestimmt. Sie hatten auch harte Pflichten. Danke für die gute Anregung, mich an meine Oma zu erinnern. ich mochte sie sehr gern.

  • Zeitfenster. Schau aus dem Fenster in die Zeit. Wenn ich aus dem Fenster gucke, wo ich meinen Lieblingsschreibplatz habe, dann schaue ich weit hinüber zur Altbau-Häuserfront. Auf dem Dach ganz oben auf dem Giebel steht so ein Mast mit einer silbernen Blinkerklappe. Vielleicht soll sie ja die Vögel vertreiben. Aber wenn das so blinkert in der Sonne, bin ich mit meinen Gedanken sofort weit weg. Wie hypnotisiert…..

  • Liebe Anette, ja das hast du prima weiter gemacht. In eine Figur zu schlüpfen. Von damals. Ansonsten habe ich kaum einen Ansatz, mich da hinein zugegeben. Auswandern war noch nie ein Thema für mich.

  • Irgendwie bringst du mich dazu, das ich mich auf diesem Schiff befinde, mit meinen Ängsten und meinen Zweifeln und dem bisschen Mut, den man immer braucht …

  • Sehr schön geschrieben. Sehe alles plastisch vor mir. Deine Geheimschrift konntest wahrscheinlich nur du entziffern. Was ich fühlte, schrieb ich auf, und das fühlte sich gut an. Gefällt mir.

  • zum schreiben und lesen
    Es ist schön wie du deinen Anfang vom Anfang beschreibst. Dann später diese Feststellung das alles so oder ähnlich vor Jahrtausenden in verschiedenen Regionen unabhängig voneinander entstand…

  • von Christine:
    ein wunderbarer text. Das Entsehen einer eigenen Schrift mit Zeichen, aus Zeichen kenne ich von mir, meinen Kindern, enkeln, Urenkelin. Diesen Aspekt hatte ich ganz vergessen. Schön, diese Erinnerung. Danke

  • Die ersten eigenen, ausgedachten Schreibversuche kenne ich auch. Und ich liebe das Schreiben mit der Hand – beim Tippen fehlt einfach etwas. Schöne Bilder, wie du zwischen deinen Brüdern sitzt und mitmachen willst…

  • Ja, da ist schon etwas dran, an dem täglichen Schreiben. Sich hinzusetzen und es einfach zu tun. Mit der Routine kommen die Gedanken ganz von allein.
    Mit jemand anderem zusammen etwas zu schreiben stelle ich mir schwer vor. Da fände ich es gut, wenn jeder etwas anderes besonders gut kann, der eine macht die Landschaften und Handlungen und der Andere haucht den Figuren Leben ein … könnte klappen.

  • von Christine:
    liebe Anette, das finde ich auch. Zusammen schreiben, das war der Zauber der Schreibwerkstatt in der Bibliothek.Nun ist es etwas entzaubert, mit der technik dazwischen…
    Schade, traurig. Tut mir aber gut, deinen Text zu lesen, den ich gut nachvollziehen kann.
    Christine

  • Was zusammen schreiben.
    Es ist so eine unbestimmte Schwingung, die dabei entsteht, wenn ich daran denke, dass genau in denselben Moment da auch jemand schreibt. Und wenn ich weiß, dass im November weltweit überall jeden Tag geschrieben wurde …. eine große Sehnsucht entsteht in mir. Mehr Motivation geht nicht.

    • Das kenne ich auch, Petra, und ich glaube, das treibt euch auch hierher zum Online-Schreiben, oder?
      Anette, ich habe gerade beide Erfahrungen gemacht, die du beschreibst – etwas zusammenschreiben, quasi um Wörter zu sammeln (für diesen November-Schreibmarathon, bei dem 50.000 Wörter in 30 Tagen das Ziel sind) und damit mehr Routine beim Schreiben zu entwickeln. Und dann das gemeinsame Schreiben, online, mit Kamera, die jede*n beim Tippen zeigt. Sehr spannend und motivierend. Und jetzt will ich mit einer Kollegin zusammen einen Erfahrungsbericht darüber schreiben, quasi als Dialog… Schöne Überlegungen, und nachts chreibe ich auch am besten…

  • Ich denke, dass man viele Projekte besser allein schreibt, gerade wenn es um Gefühle und Gedanken geht.
    Aber mal so ein gemeinsames Schreibprojekt ist bestimmt auch spannend. Einer fängt an, der nächste macht weiter usw. , hat bestimmt auch seinen Reiz, wenn man nicht weiß, wie die Geschichte weitergeht.

  • zu deinen Erinnerungen
    Es ist sehr schön wie du uns an den Ereignissen deiner Kindheit teilhaben lässt.
    Ich musste lächeln, als du dich als Studentin beschreibst, – so eine Art Geheimschrift hatte ich auch. Jedenfalls konnte ich es entziffern.

  • Ein wunderbarer text. Er ist mir so nah, schidert fast meine Erfahrungen.Auch ich merke mir heute alles iGeschichten und Bildern und kann es so abrufen, auch wenn lange Zeit dazwischen liegt. Als Kind habe ich auch so gespielt; oh, war ich beschäftigt. Danke.

  • Liebe Anette, ja, Bilder und Worte – spannend ja auch dort, wo sich Bild und Wort verbinden – klein in der Handschrift, groß in so etwas wie Graffiti, gemalten Buchstaben. Vielleicht ist es das, was Kinder tun, wenn sie anfange, sich mit dem Schreibenlernen zu beschäftigen. Und jede Form eines Buchstabens erzählt auch eine Geschichte…

  • zu Türkeireise
    Liebe Anette,
    danke für diese ausführliche Schilderung mit der Du mich einfach mitgenommen hast.
    Die Vorstellungen von klarem Wasser, sattem Grün und betörenden Düften lösen lösen große Sehnsucht aus. Ich bin bei Dir auf dieser Reise in die Vergangenheit und kann somit dem tristen Grau um mich herum entfliehen.
    Sehr schön!
    Aber ich kann mir auch vorstellen, wie schwer der Gärtner im Zitronenparadies arbeiten muss;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.